Schmerzen beim Sex – Ist das normal?
Shownotes
In dieser Folge von grlztalk geht es um Schmerzen beim Sex – ein Thema, das mehr junge Menschen betrifft, als man vielleicht denkt, und über das zu sprechen oft Überwindung kostet. Was kann dahinterstecken, wenn vaginaler Sex immer wieder wehtut?
Auch wenn die Ursache nicht sofort klar ist: Du musst Schmerzen beim Sex nicht einfach hinnehmen. Wir sprechen darüber, was du selbst tun kannst, warum es wichtig ist, Beschwerden beim Gyn-Termin anzusprechen, und was ein unauffälliger Untersuchungsbefund wirklich bedeutet.
Hinweis:
Dieser Podcast dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast oder etwas persönlich klären möchtest, wende dich bitte an eine medizinische Fachperson oder eine geeignete Beratungsstelle.
Transkript anzeigen
00:00:01: Schmerzen beim Sex.
00:00:05: Ist das normal?
00:00:08: Hey, willkommen zurück bei Girl's Talk!
00:00:12: Heute möchte ich dir von einer typischen Situation aus meiner Ordination erzählen.
00:00:19: Eine junge Patientin kommt zu mir.
00:00:21: Eigentlich ist sie nur zur gynäkologischen Kontrolle da.
00:00:25: Nach der Untersuchung nehmen wir uns noch Zeit ihre Fragen in Ruhe zu besprechen.
00:00:32: Als ich sie zum Schluss frage Ob es noch etwas gibt, das sie beschäftigt, zögert sich kurz.
00:00:39: Dann sagt sie – bei mir tut's beim Sex jedes Mal weh.
00:00:46: Anscheinend ist es etwas, dass sie schon länger belastet und dass sie viel Mut gekostet hat, mir zu erzählen.
00:00:54: Und damit isst sie nicht allein!
00:00:57: Ungefähr jede zehnte sexuell aktive junge Frau zwischen sechzehn und vierundzwanzig Jahren berichtet von Schmerzen beim Sex, die über mehrere Monate bestehen.
00:01:11: Was kann nun dahinterstecken wenn Sex immer wieder wehtut?
00:01:15: Und was lässt sich dagegen tun?
00:01:18: Genau darum geht es heute bei Girls Talk!
00:01:22: In dieser Folge geht es vor allem um Schmerzens beim vaginalen Sex also wenn ein Penis in eine Vagina eingeführt wird.
00:01:32: Ähnliche Beschwerden können aber auch beim Eindringen mit Fingern oder Sexspielzeug auftreten.
00:01:39: Nach dieser Folge weißt du, welche unterschiedlichen Ursachen dahinterstecken können wie sie gynecologisch abgeklärt werden und welcher Möglichkeiten es gibt etwas dagegen zu tun.
00:01:53: Bei solchen Beschwerben möchte ich zunächst wissen wo genau Sie auftreiten Denn es macht einen Unterschied, ob es im Bereich der Vulva direkt am Eingang der Vagina oder eher tief im Unterbauch wehtut.
00:02:08: Manche beschreiben ein Brennen- oder Stechen sobald das eingeführt wird.
00:02:14: Andere spüren einen unangenehmen Druck bei tieferem Eindringen.
00:02:19: Auch der Zeitpunkt ist wichtig – beginnen die Schmerzen sofort erst während des Sexs oder halten sie sogar danach noch an!
00:02:29: Diese Unterschiede können erste Hinweise darauf geben, welche Ursachen in Frage kommen.
00:02:37: Eine davon ist Reibung.
00:02:39: Wenn die Wagner nicht ausreichend feucht ist kann das Eindringen unangenehm werden.
00:02:45: Das kann beispielsweise vorkommen wenn der Körper noch nicht ausreichend erregt ist.
00:02:51: Aber auch bei vorhandener Lust entsteht nicht immer genügend Feuchtigkeit.
00:02:57: Schmerzen können aber auch durch Reizungen oder Infektionen entstehen.
00:03:02: Zum Beispiel durch eine Pilzinfektion, bestimmte Bakterielle- oder sexuell übertragbare Infektions-, oder eine gereizte Haut an der Vulva.
00:03:13: Zusätzliche Beschwerden wie Juckkreuz, Brennen und ungewöhnlicher Ausfluss können darauf hinweisen.
00:03:21: Eine weitere mögliche Ursache betrifft die Beckenbodenmuskulatur.
00:03:27: Ein Teil dieser Muskeln liegt rund um die Vagina.
00:03:32: Bei einem sogenannten Vagenismus kann sich diese Muskulatur beim Versuch etwas einzuführen, unwillkürlich stark anspannen.
00:03:40: Das Eindringen kann dadurch schwierig oder schmerzhaft werden.
00:03:44: Es kann sich anfühlen als würde etwas blockieren.
00:03:48: Manchmal ist es kaum möglich einen Penis, Finger und auch nur einen Tampon einzufügen.
00:03:55: Dabei können auch frühere Schmerzerfahrungen oder die Erwartung von Schmerzen eine Rolle spielen.
00:04:03: Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jemand grundsätzlich Angst vor Sex hat oder ihn nicht möchte!
00:04:11: Auch Stress, Angst und belastende Erfahrungen können Schmerz beeinflussen.
00:04:17: Manchmal können schon ganz leichte Berührungen im Bereich der Vulva ein unangenehmes Brennen- oder Stechen verursachen.
00:04:26: Besonders empfindlich kann der Bereich rund um den Eingang der Wagener sein.
00:04:32: Wenn solche Beschwerden über mindestens drei Monate bestehen und sich keine eindeutige Ursache dafür finden lässt, sprechen wir von einer Vulvodynie.
00:04:44: Der Begriff bedeutet wörtlich Schmerzen an der Vulva.
00:04:49: Schmerz können aber auch tiefer in Becken entstehen.
00:04:52: Eine mögliche Ursache ist endometriose, eine Erkrankung bei der sich Gebärmutterschleim hat ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter befindet.
00:05:04: Sie kann unter anderem dazu führen dass tiefes Eindringen schmerzhaft ist.
00:05:09: allerdings kommen dafür auch andere Ursachen in Frage.
00:05:13: Auch Eierstockszüsten oder Beschwerden der Blase können bei Schmerzen beim Sex eine Rolle spielen.
00:05:21: Wie findet man jetzt heraus, was tatsächlich dahinter steckt?
00:05:26: Und an dieser Stelle komme ich noch einmal auf meine Patientin vom Anfang zurück.
00:05:32: Hätte ich schon vor der Untersuchung von ihren Schmerzen gewusst hätte ich gezielter nach möglichen Ursachen suchen können denn welche Untersuchungen sinnvoll ist hängt unter anderem davon ab wo und wann die schmerzen auftreten.
00:05:49: bei der untersuchung kann ich dann beispielsweise auf Veränderungen an der Vulva achten oder vorsichtig prüfen, ob bestimmte Stellen besonders berührungsempfindlich sind.
00:06:01: Auch die Beckenbodenmuskulatur kann untersucht werden um festzustellen, ob sie angespannt oder druckempfindlich ist.
00:06:09: Wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht, kann ein Abstrich sinnvoll sein.
00:06:14: Bei tief verliegenden Schmerzen kann eine gynäkologische Tastuntersuchung helfen, empfindliche Stellen oder Auffälligkeiten in Becken zu erkennen.
00:06:24: Je nach Befund kann auch eine Ultraschalluntersicherung sinnvoll sein!
00:06:29: Und das möchte ich dir heute mitgeben – wenn du beim Sexbeschwerden hast, sprich sie am besten gleich zu Beginn deines Gönnbesuchs an.
00:06:39: Du musst aber keine medizinischen Begriffe wissen.
00:06:42: Ein einfacher Satz wie beim Sex tut es mir weh, reicht völlig aus.
00:06:48: Und was kannst du nun selbst tun?
00:06:52: Wenn sich beim Sex etwas schmerzhaft anfühlt musst du nicht weitermachen!
00:06:57: Ihr könnt eine Pause machen, etwas verändern oder ganz aufhören.
00:07:02: Manchmal hilft es schon sich mehr Zeit zu lassen ein Gleitgeld zu verwenden oder gemeinsam herauszufinden welche Berührungen und Bewegungen sich angenehm anfüllen.
00:07:15: Wenn die Beschwerden wiederkehren, dass Eindringen kaum möglich ist oder zusätzliche Symptome auftreten, ist eine genikologische Abklärung sinnvoll.
00:07:26: Plötzlich einsetzende starke Unterbauchschmerzen besonders mit Fieber- oder Kreislaufprobleme müssen sofort medizinisch abgeklärt werden!
00:07:37: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
00:07:41: Das hängt davon ab welche Ursache gefunden wird.
00:07:45: Liegt beispielsweise eine Infektion vor, kann diese gezielt behandelt werden.
00:07:51: Wenn sich die Beckenbodenmuskulatur beim Eindringen stark anspannt, kann eine spezielle Beckenbodenfysiotherapie helfen.
00:07:59: Dabei geht es nicht einfach darum die Muskeln zu kräftigen sondern darum sie besser wahrzunehmen ihre Anspannung zu regulieren und wieder entspannen zu lernen.
00:08:11: Manchmal kommen auch sogenannte Dilatoren oder Vaginaldrainer zum Einsatz.
00:08:17: Das sind Hilfsmittel in verschiedenen Größen, mit denen man unter fachlicher Anleitung schrittweise und ohne Schmerzen das vaginale Eindringen üben kann.
00:08:30: Wenn Angst vor Schmerz zur Anspannung führt, kann sexualtherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
00:08:37: Selbstbefriedigung kann außerdem helfen, den eigenen Körper besser kennen zu lernen und herauszufinden welche Berührungen sich angenehm anfühlen.
00:08:49: Entscheidend ist das deine Schmerzen ernst genommen werden auch wenn sich die Ursache nicht sofort feststellen lässt.
00:08:58: Manchmal braucht es Zeit und verschiedene Behandlungsschritte um herauszufunden was dir tatsächlich hilft!
00:09:09: Wenn Sex wehtut, musst du es einfach öfter machen.
00:09:13: Irgendwann gewöhnt sich dein Körper daran.
00:09:17: Das stimmt so nicht!
00:09:18: Wenn du trotz Schmerzen immer wieder weitermachst können sich die Beschwerden sogar verstärken.
00:09:25: Manchmal entsteht dadurch auch eine zunehmende Anspannung oder Angst vor dem nächsten Mal.
00:09:31: Du musst also nicht üben und Schmerzenaushalten.
00:09:36: Und zum Schluss möchte ich dir noch etwas mitgeben Dein Körper muss beim Sex keine Erwartungen erfüllen und Schmerzen sind nichts, was du einfach hinnehmen musst.
00:09:48: Trau dich darüber zu sprechen!
00:09:51: Mit der Person mit der Du Sex hast, mit einer Freundin oder jemandem den Du vertraust – und vor allem auch bei deinem nächsten Günthermin.
00:10:01: Denn mit diesen Beschwerden musst du nicht allein bleiben — und du sollst es auch nicht.
00:10:08: Bleib neugierig!
00:10:09: Trau Dich Frag nach und hör rein bei Girls Talk.
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